
Tacchini ist seit vielen Jahren Teil meiner Designwelt. Ich bewundere seit jeher, wie die Marke ikonisches Design, außergewöhnliche Handwerkskunst und einen ausgeprägten Familiensinn miteinander verbindet.
Giusi Tacchini ist das Herz und die kreative Kraft hinter Tacchini. Aufgewachsen inmitten von Handwerkskunst, Möbeln und italienischer Designkultur, führt sie heute das 1967 von ihrem Vater Antonio gegründete Familienunternehmen als CEO und Art Director. Mit einem feinen Gespür für Designgeschichte bringt sie vergessene Ikonen großer Meister zurück in die Gegenwart und setzt sie in einen Dialog mit zeitgenössischen Entwürfen.
Giusi Tacchini zu ihren persönlichen Einblicken in die Geschichte der Marke, ihrer Verbindung zu Tacchini und ihrer Vision für die Zukunft befragen zu dürfen, war für mich daher etwas ganz Besonderes.

Ein Gespräch über die gemeinsame Leidenschaft für zeitloses Design und Kreativität und darüber, wie wichtig es ist, Traditionen zu bewahren und gleichzeitig den Blick nach vorn zu richten.
ST Conversations

ST
Tacchini bewegt sich ganz selbstverständlich zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Was macht ein Möbelstück für Dich wirklich zeitlos und wodurch verliebst Du dich in einen vergessenen Entwurf?

Giusi Tacchini
Zeitlosigkeit entsteht aus Authentizität. Ein Möbelstück wird dann zeitlos, wenn es aus einer starken, persönlichen Vision heraus entsteht, statt Trends zu folgen. Solche Objekte sprechen unabhängig von ihrer Entstehungszeit bis heute zu uns.
An einem vergessenen Entwurf fasziniert mich oft seine bislang unerzählte oder missverstandene Bedeutung. Manchmal war ein Projekt seiner Zeit schlicht voraus oder hatte nie die Gelegenheit, wirklich verstanden und gewürdigt zu werden. Es wiederzuentdecken bedeutet, seinen bleibenden Wert zu erkennen und ihm den richtigen Kontext zu geben, um eine neue Generation zu erreichen.

ST
Worauf vertraust Du bei der Entwicklung einer neuen Kollektion am meisten: Instinkt, Emotion oder Funktion?

GT
Ich würde sagen, es ist ein Zusammenspiel aus allen drei Aspekten. Mein Instinkt führt mich zu Formen und Materialien, deren Wert lange verborgen geblieben ist. Die emotionale Dimension entsteht aus dem Wunsch, sie wieder greifbar zu machen und ihre Ästhetik und Bedeutung neu zu entdecken. Die Funktion schließlich, als rationalstes Element, ermöglicht es mir, den Entwurf in die Formensprache von Tacchini einzuordnen und ihn Teil einer zeitgemäßen Vorstellung vom Wohnen werden zu lassen.

ST
Ich liebe Interieurs, in denen Vintage, zeitgenössisches Design und Kunst zusammenkommen. Was macht einen Raum für Dich besonders?

GT
Für mich ist ein Raum dann besonders, wenn Vergangenheit und Gegenwart ganz selbstverständlich nebeneinander bestehen können. Die bedeutungsvollsten Interieurs orientieren sich meiner Ansicht nach nicht an Trends, sondern an Objekten und Möbelstücken, die eine Geschichte, eine Erinnerung oder eine besondere Emotion in sich tragen.

ST
Die Entwürfe von Tacchini haben immer eine bemerkenswerte Präsenz, ohne einen Raum zu dominieren. Wie gelingt Ihnen diese Balance zwischen Charakter und Zurückhaltung?

GT
Genau diese Balance streben wir bei Tacchini an: Wir schaffen unverwechselbare Elemente mit einer starken Persönlichkeit, die zugleich in einen Dialog mit den Räumen und den Menschen treten, die darin leben. Ein Designobjekt sollte eine eigene Identität besitzen und gleichzeitig seinem Umfeld Raum lassen, ohne sich aufzudrängen.

ST
Wenn Du einer Designerin oder einem Designer zum ersten Mal begegnen, woran erkennst Du: Diese Person gehört in die Welt von Tacchini?

GT
Eine Zusammenarbeit beginnt für mich immer mit einer Begegnung. Ob daraus sofort ein Projekt entsteht oder nicht, ist zunächst zweitrangig. Entscheidend ist, eine Beziehung aufzubauen, eine Verbindung zu finden und dieselbe Energie und Neugier für die gestalterische Recherche zu teilen.
Bei einer ersten Begegnung achte ich auf Offenheit, Sensibilität und den aufrichtigen Wunsch, Formen, Materialien und Bedeutungen zu erforschen. Mich faszinieren Gestalterinnen und Gestalter mit einer persönlichen Vision und einer unverwechselbaren Handschrift, die zugleich bereit sind, sich mit dem Erbe und den Werten von Tacchini auseinanderzusetzen.

ST
Wir haben schon immer eine natürliche Verbindung zwischen der Welt von Tacchini und unserer eigenen empfunden. Wo begegnen sich aus deiner Sicht unsere beiden Designsprachen?

GT
Der Berührungspunkt zwischen unseren beiden Welten liegt für mich vor allem in einer gemeinsamen Sensibilität für Design und Wohnen. Wir betrachten Räume nicht einfach als Kompositionen aus Objekten, sondern als Orte, die Geschichten erzählen, Emotionen wecken und die Persönlichkeit der Menschen widerspiegeln können, die in ihnen leben.
Gerade diese verwandte Haltung lässt unseren Dialog so selbstverständlich wirken: das gemeinsame Verständnis von Design als Ausdruck von Identität und Atmosphäre und als Möglichkeit, durch unsere Projekte Beziehungen zu Menschen aufzubauen.





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Image Credits: Daniel Schäfer, Elias Hassos, Tacchini
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