
Mailand zu Besuch in München: Die neue Präsentation von Nilufar im Showroom von Stephanie Thatenhorst ist so eine. Seit dem 21. Mai zeigt die Mailänder Galerie, die unter Nina Yashar zu einer der einflussreichsten Adressen im internationalen Collectible Design geworden ist, erstmals in Deutschland eine kuratierte Auswahl aus Nilufar Edition. Ein Debüt, das sich lange angefühlt hat wie eine logische Konsequenz.





Nilufar Edition ist die neueste Weiterentwicklung der Galerie: ein fortlaufendes Möbelprojekt, in dem Design, Handwerk und Materialforschung zu einer eigenen kreativen Sprache zusammenfinden. Die Stücke, die jetzt in München zu sehen sind, tragen diese Haltung in sich. Filippo Carandini entwickelt mit seinem Tisch Noctua eine Oberfläche, die weniger an Möbel als an gemalte Objekte erinnert. Schicht um Schicht handaufgetragenes Acryl, das Licht einfängt, verändert, atmet. Andrea Mancusos Leuchtenserie Luminaria wiederum trägt die Erinnerung an süditalienische Lichtfeste in sich, jene temporären Architekturen aus Licht, die ganze Städte in Kulissen verwandeln. Und die Sitzmöbel von David/Nicolas, dem Beiruter Duo, das Nostalgie und Futurismus mit einer Selbstverständlichkeit verbindet, die man nur selten findet.
ST Interview mit Nina Yashar

ST
Mailand gilt seit Langem als eine der Designhauptstädte der Welt. Was bedeutet es heute, Geschmack und kulturellen Dialog in einem so vielschichtigen und einflussreichen kreativen Umfeld zu prägen?

Nina Yashar
Geschmack in Mailand zu prägen bedeutet heute, innerhalb eines Systems zu arbeiten, das bereits vollständig ausgeformt ist und sich dennoch ständig verändert. Es ist eine Stadt, in der Geschichte und Unmittelbarkeit koexistieren und in der jeder Eingriff Teil eines fortlaufenden Dialogs wird, anstatt eine Definition zu setzen. Meine Rolle ist weniger Richtungsvorgabe als Kalibrierung: spüren, was entsteht, und es durch Auswahl übersetzen. Mailand verlangt Immersion und ein kontinuierliches Bewusstsein dafür, wie Erbe, Experiment und materielle Kultur gemeinsam evolvieren.

ST
Nilufar hat Collectible Design, zeitgenössisches Experiment und Handwerk stets mit bemerkenswerter Präzision in Balance gehalten. Wie definieren Sie persönlich heute die Beziehung zwischen Handwerk, Materialität und zeitgenössischem Design?

Nina Yashar
Handwerk, Materialität und zeitgenössisches Design sind keine getrennten Felder, sondern ein einziges Kontinuum. Was mich interessiert, ist der Moment, in dem Material nicht aufgetragen, sondern freigelegt wird, und wenn das Machen selbst zu einer Form des Denkens wird. Die Erkenntnis ist fast immer instinktiv: ein Gefühl der Übereinstimmung zwischen Geste und Notwendigkeit. Bei Nilufar ist Handwerk keine Referenz, sondern eine Struktur, die es dem Experiment erlaubt, geerdet und präzise zu bleiben.

ST
Ihr Gespür für außergewöhnliche Stücke ist Teil der Identität von Nilufar geworden. Was zieht Sie zu einem Objekt hin, und gibt es ein bestimmtes Stück in Ihrer Sammlung, das eine besondere Bedeutung für Sie hat?

Nina Yashar
Ich fühle mich zu Objekten hingezogen, die sich nicht sofort auflösen, die eine stille innere Spannung halten. Was zählt, ist die Kohärenz zwischen Idee, Herstellung und Präsenz. Die bedeutendsten Arbeiten sind jene, die die Sprache der Sammlung allmählich verschieben, anstatt sie zu definieren. Es ist selten ein einzelnes Objekt, sondern Momente der Erkenntnis, die die Perspektive verändern.

ST
Nilufar wird nun in einer temporären Ausstellung im Showroom von Stephanie Thatenhorst in München präsentiert. Was hat Sie an diesem intimen, eher wohnlichen Format interessiert, und wie sehen Sie den Dialog zwischen dem kuratorischen Universum von Nilufar und der Atmosphäre des Raums?

Nina Yashar
Was mich an München interessiert hat, ist die Möglichkeit, Nilufar in einer gelebten Umgebung zu präsentieren, in der Design Teil einer häuslichen Erzählung ist und nicht einer Ausstellung. Der Showroom von Stephanie Thatenhorst fühlte sich wie der ideale Kontext an: bereits geprägt von einer sehr kuratierten und kohärenten Innenraumvision. Die Auswahl aus Nilufar Edition gewinnt in diesem Rahmen eine andere Resonanz, wo Handwerk, Materialforschung und skulpturale Präsenz direkter erfahrbar sind. Es gibt auch einen bestehenden Dialog mit München, der diese Zusammenarbeit selbstverständlich erscheinen lässt, und er stärkt unsere Präsenz in Deutschland weiter. Es ist eine Begegnung zweier kuratorischer Sensibilitäten, die dieselbe Aufmerksamkeit für Qualität, Atmosphäre und Detail teilen.
Der Showroom von Stephanie Thatenhorst gibt all dem den richtigen Rahmen.
Ein Ort, der selbst für eine bestimmte Haltung steht: Qualität über Quantität, Auswahl mit Haltung, Schönheit als ernsthafte Angelegenheit. Dass Nilufar hier sein deutsches Debüt gibt, sagt viel über beide aus.
Die Ausstellung ist noch bis Ende September zu sehen.





Text: Emilie Klepper
Image Credits: David Kossi
Other Stories


















